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    <title>Homophobia on repetitions</title>
    <link>https://repetitions.de/tags/homophobia/</link>
    <description>Recent content in Homophobia on repetitions</description>
    <generator>Hugo -- gohugo.io</generator>
    <language>en</language>
    <managingEditor>hi (hiu)</managingEditor>
    <webMaster>hui (hu)</webMaster>
    <copyright>All content by [lou.] licensed as &lt;a href=&#34;https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/&#34; target=&#34;_blank&#34; style=&#34;text-decoration:none&#34;&gt;CC-BY-SA 4.0&lt;/a&gt; unless otherwise specified.</copyright>
    <lastBuildDate>Sun, 15 Jun 2025 00:00:00 +0200</lastBuildDate><atom:link href="https://repetitions.de/tags/homophobia/index.xml" rel="self" type="application/rss+xml" />
    <item>
      <title>BRD 1962: Nazis &amp; Psychopathen</title>
      <link>https://repetitions.de/posts/kloos_psychopathen/</link>
      <pubDate>Sun, 15 Jun 2025 00:00:00 +0200</pubDate>
      <author>hi (hji)</author>
      <guid>https://repetitions.de/posts/kloos_psychopathen/</guid>
      <description>&lt;div class=&#34;index-content framed&#34; &gt;
&lt;p&gt;cw: Diskussion von Psychiatrie, Eugenik, Euthanasie und Homofeindlichkeit anhand
von expliziten Zitaten.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Irgendwann im letzten Sommer bin ich auf einem Flohmarkt hier in der
Nachbarschaft über eine Kiste mit medizinischen Lehrbüchern aus den 50er und
60er Jahren gestolpert. Darunter war auch der &lt;em&gt;Grundriß der Psychiatrie und
Neurologie mit besonderer Berücksichtigung der Untersuchungstechnik&lt;/em&gt; von Gerhard
Kloos aus dem Jahr 1962. Mein Interesse hat das Buch vor allem geweckt, weil es
aus der Zeit vor der Adoption des ICD zur Klassifikation von Diagnosen in
Deutschland stammt. Zudem fiel in 1962 Homosexualität nicht nur noch klar in den
Zuständigkeitsbereich der Psychiatrie (auch der DSM kennt bis 1973
Homosexualität als Diagnose), sondern war zudem noch kriminalisiert. Zunächst
war ich also daran interessiert, wie in einem psychiatrischen Lehrbuch der Zeit
mit Homosexualität und deren Kriminalisierung umgegangen wurde. Insofern habe
ich bekommen was sich wollte: Kloos legt besonderen Wert auf die juristische
Relevanz der von ihm dargestellten Pathologien. Anders als der DSM, der auch in
seiner ersten Auflage von 1952 versuchte, eine klare Trennung von juristischen
und klinischen Kategorien zu etablieren
(&lt;a href=&#34;#citeproc_bib_item_1&#34;&gt;American Psychiatric Association 1952, 10&lt;/a&gt;), besteht für Kloos eine klare
Affinität zwischen Psychiatrie und Gerichtsbarkeit. In seiner Einleitung
schreibt er, dass&lt;/p&gt;</description>
      <content>&lt;div class=&#34;index-content framed&#34; &gt;
&lt;p&gt;cw: Diskussion von Psychiatrie, Eugenik, Euthanasie und Homofeindlichkeit anhand
von expliziten Zitaten.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Irgendwann im letzten Sommer bin ich auf einem Flohmarkt hier in der
Nachbarschaft über eine Kiste mit medizinischen Lehrbüchern aus den 50er und
60er Jahren gestolpert. Darunter war auch der &lt;em&gt;Grundriß der Psychiatrie und
Neurologie mit besonderer Berücksichtigung der Untersuchungstechnik&lt;/em&gt; von Gerhard
Kloos aus dem Jahr 1962. Mein Interesse hat das Buch vor allem geweckt, weil es
aus der Zeit vor der Adoption des ICD zur Klassifikation von Diagnosen in
Deutschland stammt. Zudem fiel in 1962 Homosexualität nicht nur noch klar in den
Zuständigkeitsbereich der Psychiatrie (auch der DSM kennt bis 1973
Homosexualität als Diagnose), sondern war zudem noch kriminalisiert. Zunächst
war ich also daran interessiert, wie in einem psychiatrischen Lehrbuch der Zeit
mit Homosexualität und deren Kriminalisierung umgegangen wurde. Insofern habe
ich bekommen was sich wollte: Kloos legt besonderen Wert auf die juristische
Relevanz der von ihm dargestellten Pathologien. Anders als der DSM, der auch in
seiner ersten Auflage von 1952 versuchte, eine klare Trennung von juristischen
und klinischen Kategorien zu etablieren
(&lt;a href=&#34;#citeproc_bib_item_1&#34;&gt;American Psychiatric Association 1952, 10&lt;/a&gt;), besteht für Kloos eine klare
Affinität zwischen Psychiatrie und Gerichtsbarkeit. In seiner Einleitung
schreibt er, dass&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;[d]a der Arzt heute oft auch als Gutachter in Anspruch genommen wird, [&amp;hellip;] die
gerichts- und sozial-medizinische Beurteilung der einzelnen Krankheiten, die
sonst gewöhnlich zu kurz kommt, besonders berücksichtigt [wurde].
(&lt;a href=&#34;#citeproc_bib_item_6&#34;&gt;Kloos 1962, 6&lt;/a&gt;)&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Für den größten Teil des Buchs äußert sich die &amp;ldquo;gerichts- und
sozial-medizinische Beurteilung&amp;rdquo; vorallem durch Kommentare zur Beurteilung von
Zurechnungsfähigkeit und ob eine Krankheit als Scheidungsgrund zulässig ist.
Insbesondere in Bezug auf &amp;ldquo;Psychopathie&amp;rdquo; geht Kloos allerdings weiter. Hier wird
klar, dass Kloos das Verhältnis von Psychiatrie und Justiz als eine natürliche
Symbiose versteht&lt;sup id=&#34;fnref:1&#34;&gt;&lt;a href=&#34;#fn:1&#34; class=&#34;footnote-ref&#34; role=&#34;doc-noteref&#34;&gt;1&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;Als Psychopathie bezeichnet man &lt;em&gt;angeborene Abnormalitäten der menschlichen
Wesensart&lt;/em&gt; (ererbte Abwegigkeiten des Charakters, einschließlich des
Temperaments, gleichsam &amp;ldquo;Mißbildungen&amp;rdquo; des Willens-, Trieb- und Gefühlslebens).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Psychopathie ist also kein Krankheitsvorgang (Prozeß), sondern eine von der Norm
abweichende seelische &lt;em&gt;Veranlagung (Konstitution)&lt;/em&gt;. Die Träger solcher
Abartigkeiten nennt man psychopathische Persönlichkeiten oder kurz Psychopathen.
Ein Psychopath ist also ein &lt;em&gt;charakterlich abnorm veranlagter Mensch&lt;/em&gt;. Über seine
Intelligenz ist mit dieser Diagnose nichts ausgesagt; er kann geistig
hochbegabt, durchschnittlich oder schwachsinnig sein. [&amp;hellip;] Psychopathen sind
also einerseits keine Geisteskranken, denn es besteht bei ihnen kein &lt;em&gt;psychischer
Krankheitsprozeß&lt;/em&gt;, andererseits aber auch keine seelisch ganz gesunden Menschen,
denn sie haben eine &lt;em&gt;abnorme Wesensart&lt;/em&gt;. Diese ist jedoch nicht scharf abgrenzbar,
sondern geht fließend in die Norm über; sie unterscheidet sich von dieser nur
gradweise (quantitativ). [&amp;hellip;] Die Feststellung einer Abnormalität enthält hier
zugleich eine &lt;em&gt;Wertung&lt;/em&gt;: Von Psychopathie spricht man nur bei solchen
Abartigkeiten des Gefühls- und Willenslebens, die für ihren Träger oder für die
Gemeinschaft unerwünscht sind, weil sie zu innerseelischen oder (bzw. und)
zwischenmenschlichen Schwierigkeiten führen. Es handelt sich also stets um eine
irgendwie ungünstige Andersartigkeit des Wesens, welche die Lebenstüchtigkeit,
Anpassungsfähigkeit und Brauchbarkeit des Betroffenen vermindert, ihm die
persönliche oder soziale Bewährung im Lebenskampf erschwert. &lt;strong&gt;Psychopathen sind
somit &lt;em&gt;Versager&lt;/em&gt; (Leidende) oder &lt;em&gt;Störer&lt;/em&gt; (Gemeinschaftsbelastende) oder beides
zugleich;&lt;/strong&gt; das zeigt sich überall, wo besondere Anforderungen an sie
herantreten: im Beruf, in der Ehe, im Zusammenleben mit anderen Menschen, im
Kriegsdienst und bei Schicksalsschlägen aller Art. (&lt;a href=&#34;#citeproc_bib_item_6&#34;&gt;Kloos 1962, 426&lt;/a&gt; f.)&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Kloos grenzt Psychopathen von &lt;em&gt;Kranken&lt;/em&gt; ab, indem er Psychopathie ihrem
&lt;em&gt;essenziellen Wesen&lt;/em&gt; zuschreibt, weiter verortetet er den Kern der Diagnose
explizit in ihrer &lt;em&gt;sozialen Bedeutung&lt;/em&gt;. Psychopathen werden insofern zum
Gegenstand der Psychiatrie, wie sie die &lt;em&gt;Gemeinschaft belasten&lt;/em&gt;. Kloos ist nicht
subtil: Psychiatrie funktioniert hier als Erweiterung der Justiz mit dem
Auftrag, die soziale Ordnung zu sanktionieren. Noch deutlicher ist er im Kontext
jugendlicher Psychopathen, über die er, unter der Überschrift &lt;em&gt;Schutz der
Gemeinschaft vor Asozialen&lt;/em&gt;, schreibt:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;Jede, selbst die beste Erziehung findet im Erbgut des Zöglings nicht nur ihre
Grundlage, sondern auch ihre Grenze. Bei aller verdienten Achtung vor den
Leistungen der Pädagogen teilen wir heute nicht mehr den naiven Glauben an die
Allmacht der Erziehung, den die Vertreter der &amp;ldquo;Milieutheorie&amp;rdquo; noch hatten. Es
gibt Jugendliche mit derart schlechter Veranlagung, daß alle Besserungsversuche,
Zuchtmittel und Strafen bei ihnen erfolglos bleiben. Sie sind weder durch
liebevolle Behandlung noch durch beharrliche Strenge von ihrer asozialen oder
kriminellen Einstellung abzubringen. Aus ihrer Reihe gehen die späteren
Berufsverbrecher und Außenseiter der Gesellschaft (Landstreicher, Zuhälter,
Prostituierte usw.) hervor.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese &lt;em&gt;Unerziehbaren&lt;/em&gt; gehören nicht in Erziehungsanstalten, sondern in
&lt;em&gt;Arbeitshäuser&lt;/em&gt;&lt;sup id=&#34;fnref:2&#34;&gt;&lt;a href=&#34;#fn:2&#34; class=&#34;footnote-ref&#34; role=&#34;doc-noteref&#34;&gt;2&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;. Hier wird einerseits ihre Arbeitskraft noch nutzbringend
verwendet, andererseits die Gemeinschaft vor ihnen wirksam geschützt. Der Mühe-
und Kostenaufwand der Fürsorgeerziehung würde sich bei ihnen wegen
&lt;em&gt;Aussichtslosigkeit&lt;/em&gt; nicht lohnen. (&lt;a href=&#34;#citeproc_bib_item_6&#34;&gt;Kloos 1962, 460&lt;/a&gt;)&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Die Gruppe der &amp;lsquo;sexuell perversen Psychopathen&amp;rsquo; ist dann auch direkt nach den
Paragrafen des StGB unterteilt, über Homosexualität schreibt Kloos:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;Homosexualität == sexuelle Liebe zu Menschen des gleichen Geschlechts.
Homosexualität unter Männern nennt man &lt;em&gt;Uranismus&lt;/em&gt; oder &lt;em&gt;Päderastie&lt;/em&gt; (strafbar nach
&lt;a href=&#34;https://www.lsvd.de/de/ct/1022-Paragraph-175-StGB-Verbot-von-Homosexualitaet-in-Deutschland&#34;&gt;§175 und 175a StGB&lt;/a&gt;.) unter Frauen &lt;em&gt;Tribadie&lt;/em&gt; oder &lt;em&gt;lesbische Liebe&lt;/em&gt; (nicht
strafbar). In der Pubertät sind Schwärmereien für gleichgeschlechtliche Lehrer
oder Freunde nichts Außergewöhnliches, da die endgültige Sexualität sich aus
einer ursprünglichen bisexuellen Anlage entwickelt; krankhaft ist nur das
Ausbleiben der späteren Richtung des Sexualtriebes auf das andere Geschlecht.
Die Homosexualität ist zum Teil anlagebedingt und dann oft mit Körpermerkmalen
des anderen Geschlechts verbunden (z.B. hoher Stimme, breiten Hüften,
weichlichen Gesichtszügen beim Manne), wozu sich auch eine Vorliebe für das
Tragen der Kleidung des anderen Geschlechts gesellen kann (&lt;em&gt;Transvestismus&lt;/em&gt;); zum
größeren Teil entsteht sie aber durch Verführung in der Jugend, da die ersten
geschlechtlichen Erlebnisse für das endgültige Sexualziel meist entscheidend
sind; die verführten Jugendlichen bleiben einfach in der Homosexualität stecken.
Daher die scharfen Strafmaßnahmen gegen homosexuelle Jugendverderber. Die
Homosexualität kommt in allen Graden vor: von der hingebenden Freude am Bilden
und Lenken junger Menschen des gleichen Geschlechts bis zu den groben Formen
körperlicher Sexualbetätigung. (gegenseitige Onanie, Lutsch- und Afterverkehr).
(&lt;a href=&#34;#citeproc_bib_item_6&#34;&gt;Kloos 1962, 433&lt;/a&gt;)&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Kloos beschränkt sich an dieser Stelle nicht auf die Feststellung faktisch
gegebener strafrechtlicher Relevanz, sondern liefert gleich eine
(sozial-)psychiatrische Begründung der Rechtslage. In diesen Passagen wird eine
Medizin/Psychiatrie dargestellt, deren Aufgaben eine Sorge um die Gesundheit des
Volkskörpers im völkischsten, eugenischsten Sinne umfasst.&lt;/p&gt;
&lt;style&gt;
.figure-number {
  display: none;
}
&lt;/style&gt;

  &lt;figure class=&#34;center&#34; &gt;
    &lt;img src=&#34;gerhard_kloos.png&#34;   /&gt;
    
      &lt;figcaption class=&#34;center&#34; &gt;&lt;span class=&#34;figure-number&#34;&gt;Figure 1: &lt;/span&gt;Gerhard Kloos (&lt;a href=&#34;#citeproc_bib_item_9&#34;&gt;Koller 2019, 24&lt;/a&gt;)&lt;/figcaption&gt;
    
  &lt;/figure&gt;


&lt;p&gt;Der geneigten Leser&amp;rsquo;in wird die Nähe Kloosens Vokabular zur Sprache des
Nationalsozialismus aufgefallen sein. Die erste Auflage seines Lehrbuchs
veröffentlichte Kloos in 1944 (&lt;a href=&#34;#citeproc_bib_item_5&#34;&gt;Kloos 1944&lt;/a&gt;). Zu diesem Zeitpunkt war er
Leiter der Landesheilanstalten Stadtroda, wo, unter seiner Verantwortung ab
spätestens 1942, in der dort angegliederten &lt;a href=&#34;https://de.wikipedia.org/wiki/Kinderfachabteilung&#34;&gt;Kinderfachabteilung&lt;/a&gt; &lt;a href=&#34;https://www.stadtmuseum-jena.de/de/715048&#34;&gt;Stadtroda&lt;/a&gt;
behinderte Kinder ermordet wurden (&lt;a href=&#34;#citeproc_bib_item_3&#34;&gt;Hill 2008, 8&lt;/a&gt;; &lt;a href=&#34;#citeproc_bib_item_11&#34;&gt;Schmuhl 2010&lt;/a&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seiner Karriere nach 1945 schadete seine Rolle in der Nazi-Eugenik kaum. Nach
dem Krieg wurden alle Vorwürfe bzgl. Euthanasieverbrechen gegen Kloos wegen
fehlender Beweise fallen gelassen. Zwar wurde ihm seine Habilitation aberkannt,
doch konnte er sich bereits Anfang der 50er in Kiel neu habilitieren und war ab
1954 Direktor des Landeskrankenhauses Göttingen (&lt;a href=&#34;#citeproc_bib_item_9&#34;&gt;Koller 2019&lt;/a&gt;). Ab 1958
übernahm er Lehraufträge an der Technischen Hochschule Braunschweig und der
Universität Göttingen. In Göttingen war er auch als Sachverständiger in
Wiedergutmachungsverfahren tätig (&lt;a href=&#34;#citeproc_bib_item_4&#34;&gt;Klee 2003&lt;/a&gt;). Wir wissen schon, dass auch
sein neurologisch-psychiatrisches Lehrbuch in der BRD weiterhin genutzt wurde,
aber auch seine &amp;ldquo;Anleitung zur Intelligenzprüfung im
Erbgesundheitsgerichtsverfahren&amp;rdquo;, die er 1942 als Beisitzer des
Erbgesundheitsgerichts Jena veröffentlichte, wurde &amp;ndash; revidiert, unter dem Titel
Anleitung zur Intelligenzprüfung in der psychiatrischen Diagnostik
(&lt;a href=&#34;#citeproc_bib_item_7&#34;&gt;Kloos 1965&lt;/a&gt;) &amp;ndash; in der BRD wieder publiziert (in der DDR wurde die
Republikation verhindert) (&lt;a href=&#34;#citeproc_bib_item_10&#34;&gt;Polianski 2020&lt;/a&gt;; &lt;a href=&#34;#citeproc_bib_item_7&#34;&gt;Kloos 1965&lt;/a&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kloos machte nie einen Hehl daraus, durchaus von der Richtigkeit, sogar der
Notwendigkeit von Euthanasie und &amp;ldquo;Erbgesundheitspflege&amp;rdquo; überzeugt zu sein.
Nachdem Helmut Becker (geb. 1941) in 1983 auf dem 86. Deutschen Ärzte Tag
beklagte, dass die medizinische Ausbildung in der BRD immer noch von Nazis
dominiert sei und Kloos und dessen Lehrbuch als Beispiel nannte, klagte
letzterer wegen Beleidigung (&lt;a href=&#34;#citeproc_bib_item_2&#34;&gt;Halter 1988&lt;/a&gt;). Auch in diesem Prozess
positioniert sich Kloos nicht gegen Euthanasie, diese sei notwendig, das habe er
immer eingesehen. Und doch habe es in seiner Institution keine Tötungen gegeben:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;„Das stimmt doch alles nicht“, empört sich der grauhaarige alte Herr mit dem
Schmiß in der linken Gesichtshälfte. Aber er war doch in der Kanzlei des
Führers? Ja, er wurde über die geheime Reichssache unterrichtet, aber schon
damals habe er seinen Gesprächspartnern klargemacht, daß eine solche
Tötungsabteilung in Stadtroda nicht infrage komme. Die Leute in Thüringen seien
nämlich viel zu geschwätzig, da lasse sich so etwas schlecht geheim halten.
Außerdem sähe man es auf dem Friedhof, der neben dem Krankenhaus lag, sofort,
wenn dort massenhaft Kinder begraben würden. Wie steht denn der Professor zur
Kindereuthanasie? Schon damals, sagt er vor Gericht, habe er eingesehen, daß es
so etwas geben müsse. In manchen Fällen sei das Leben quälender als der sanfte
Tod. Nur er selbst habe nie so etwas praktiziert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;„Ich bin Fleischesser, aber schlachte nicht selbst“, sind die erklärenden Worte
des Professors. (&lt;a href=&#34;#citeproc_bib_item_12&#34;&gt;Wilmes 1985&lt;/a&gt;)&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Becker wird in 1985 freigesprochen, Kloos darf Euthanasietäter genannt werden,
Kloos legt Berufung ein, das Berufungsverfahren läuft bis Kloos es im Jahr
seines Todes 1988 fallen lässt (&lt;a href=&#34;#citeproc_bib_item_2&#34;&gt;Halter 1988&lt;/a&gt;), im gleichen Jahr erscheint
die 10. und letzte Auflage seines Psychiatrie-Lehrbuchs (&lt;a href=&#34;#citeproc_bib_item_10&#34;&gt;Polianski 2020&lt;/a&gt;; &lt;a href=&#34;#citeproc_bib_item_8&#34;&gt;Kloos and Simon 1988&lt;/a&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&#34;references&#34;&gt;References&lt;/h2&gt;
&lt;style&gt;.csl-entry{text-indent: -1.5em; margin-left: 1.5em;}&lt;/style&gt;&lt;div class=&#34;csl-bib-body&#34;&gt;
  &lt;div class=&#34;csl-entry&#34;&gt;&lt;a id=&#34;citeproc_bib_item_1&#34;&gt;&lt;/a&gt;American Psychiatric Association. 1952. &lt;i&gt;Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders&lt;/i&gt;. 1st edition. Washington D.C.: American Psychiatric Association.&lt;/div&gt;
  &lt;div class=&#34;csl-entry&#34;&gt;&lt;a id=&#34;citeproc_bib_item_2&#34;&gt;&lt;/a&gt;Halter, Hans. 1988. “»Die Mörder sind noch unter uns« Ns-Ärzte: Von der Euthanasie.” &lt;i&gt;Der Spiegel: Politik&lt;/i&gt;, June 19, 1988. &lt;a href=&#34;https://www.spiegel.de/politik/die-moerder-sind-noch-unter-uns-ns-aerzte-von-der-euthanasie-a-9c82c3f3-0002-0001-0000-000013529152&#34;&gt;https://www.spiegel.de/politik/die-moerder-sind-noch-unter-uns-ns-aerzte-von-der-euthanasie-a-9c82c3f3-0002-0001-0000-000013529152&lt;/a&gt;.&lt;/div&gt;
  &lt;div class=&#34;csl-entry&#34;&gt;&lt;a id=&#34;citeproc_bib_item_3&#34;&gt;&lt;/a&gt;Hill, Jennifer. 2008. “Zum schicksal männlicher patienten der jenaer psychiatrischen- und nervenklinik 1933 bis 1945 nach ihren verlegung in die landesheilanstalten stadtroda und blankenhain.” PhD thesis, Jena. &lt;a href=&#34;https://www.db-thueringen.de/receive/dbt_mods_00011858&#34;&gt;https://www.db-thueringen.de/receive/dbt_mods_00011858&lt;/a&gt;.&lt;/div&gt;
  &lt;div class=&#34;csl-entry&#34;&gt;&lt;a id=&#34;citeproc_bib_item_4&#34;&gt;&lt;/a&gt;Klee, Ernst. 2003. &lt;i&gt;Das Personenlexikon zum Dritten Reich: wer war was vor und nach 1945&lt;/i&gt;. Frankfurt am Main: S. Fischer.&lt;/div&gt;
  &lt;div class=&#34;csl-entry&#34;&gt;&lt;a id=&#34;citeproc_bib_item_5&#34;&gt;&lt;/a&gt;Kloos, Gerhard. 1944. &lt;i&gt;Grundriss Der Psychiatrie Und Neurologie Mit Besonderer Berücksichtigung Der Untersuchungstechnik&lt;/i&gt;. Sammlung Medizinischer Grundrisse. München: Müller &amp;#38; Steinicke.&lt;/div&gt;
  &lt;div class=&#34;csl-entry&#34;&gt;&lt;a id=&#34;citeproc_bib_item_6&#34;&gt;&lt;/a&gt;———. 1962. &lt;i&gt;Grundriß Der Psychiatrie Und Neurologie Mit Besonderer Berücksichtigung Der Untersuchungstechnik&lt;/i&gt;. 6. Auflage. München: Verlag von Rudolph Müller &amp;#38; Steinecke.&lt;/div&gt;
  &lt;div class=&#34;csl-entry&#34;&gt;&lt;a id=&#34;citeproc_bib_item_7&#34;&gt;&lt;/a&gt;———. 1965. &lt;i&gt;Anleitung zur Intelligenzprüfung in der psychiatrischen Diagnostik&lt;/i&gt;. 5., unveränd. Aufl. Stuttgart: Fischer.&lt;/div&gt;
  &lt;div class=&#34;csl-entry&#34;&gt;&lt;a id=&#34;citeproc_bib_item_8&#34;&gt;&lt;/a&gt;Kloos, Gerhard, and Walther Simon. 1988. &lt;i&gt;Grundriss Der Psychiatrie Und Neurologie: Unter Besonderer Berücksichtigung Der Untersuchungstechnik&lt;/i&gt;. Müller und Steinicke.&lt;/div&gt;
  &lt;div class=&#34;csl-entry&#34;&gt;&lt;a id=&#34;citeproc_bib_item_9&#34;&gt;&lt;/a&gt;Koller, Manfred. 2019. “Die Geschichte Der Psychiatrie in Göttingen – Schwerpunkt LKH.” In &lt;i&gt;150 Jahre Universitätspsychiatrie in Göttingen&lt;/i&gt;, 9–36. V&amp;#38;R unipress. &lt;a href=&#34;https://doi.org/10.14220/9783737009010.9&#34;&gt;https://doi.org/10.14220/9783737009010.9&lt;/a&gt;.&lt;/div&gt;
  &lt;div class=&#34;csl-entry&#34;&gt;&lt;a id=&#34;citeproc_bib_item_10&#34;&gt;&lt;/a&gt;Polianski, Igor J. 2020. “Psychiatrische Fachbücher aus dem Nationalsozialismus und die zensorische Praxis in der SBZ und frühen DDR.” &lt;i&gt;Der Nervenarzt&lt;/i&gt; 91 (3): 261–67. &lt;a href=&#34;https://doi.org/10.1007/s00115-019-0726-2&#34;&gt;https://doi.org/10.1007/s00115-019-0726-2&lt;/a&gt;.&lt;/div&gt;
  &lt;div class=&#34;csl-entry&#34;&gt;&lt;a id=&#34;citeproc_bib_item_11&#34;&gt;&lt;/a&gt;Schmuhl, Hans-Walter. 2010. “Kinderheilkunde in der NS-Zeit: Sozialsanitäres Großprojekt – Arzt am „Volkskörper‘.” Deutsches Ärzteblatt. November 12, 2010. &lt;a href=&#34;https://www.aerzteblatt.de/archiv/79245/Kinderheilkunde-in-der-NS-Zeit-Sozialsanitaeres-Grossprojekt-Arzt-am-Volkskoerper&#34;&gt;https://www.aerzteblatt.de/archiv/79245/Kinderheilkunde-in-der-NS-Zeit-Sozialsanitaeres-Grossprojekt-Arzt-am-Volkskoerper&lt;/a&gt;.&lt;/div&gt;
  &lt;div class=&#34;csl-entry&#34;&gt;&lt;a id=&#34;citeproc_bib_item_12&#34;&gt;&lt;/a&gt;Wilmes, Annette. 1985. “Der Fleischesser schlachtet nicht selbst.” &lt;i&gt;Die Zeit&lt;/i&gt;, March 8, 1985. &lt;a href=&#34;https://www.zeit.de/1985/11/der-fleischesser-schlachtet-nicht-selbst&#34;&gt;https://www.zeit.de/1985/11/der-fleischesser-schlachtet-nicht-selbst&lt;/a&gt;.&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div class=&#34;footnotes&#34; role=&#34;doc-endnotes&#34;&gt;
&lt;hr&gt;
&lt;ol&gt;
&lt;li id=&#34;fn:1&#34;&gt;
&lt;p&gt;Der ganze Abschnitt zu Psychopathie findet sich &lt;a href=&#34;Kloos%20-%201962%20-%20Grundri%C3%9F%20der%20Psychiatrie%20und%20Neurologie%20mit%20besonderer%20Ber%C3%BCcksichtigung%20der%20Untersuchungstechnik.pdf&#34;&gt;hier als pdf&lt;/a&gt;.&amp;#160;&lt;a href=&#34;#fnref:1&#34; class=&#34;footnote-backref&#34; role=&#34;doc-backlink&#34;&gt;&amp;#x21a9;&amp;#xfe0e;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/li&gt;
&lt;li id=&#34;fn:2&#34;&gt;
&lt;p&gt;Arbeitshäuser als Alternative zu Gefängnishaft bestanden in der BRD
bis 1970.&amp;#160;&lt;a href=&#34;#fnref:2&#34; class=&#34;footnote-backref&#34; role=&#34;doc-backlink&#34;&gt;&amp;#x21a9;&amp;#xfe0e;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;
&lt;/div&gt;
</content>
    </item>
    
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